DSGVO-konform

Falsche IBAN angegeben — Geld zurückholen Schritt für Schritt

5 Min. Lesezeit

Sofortmaßnahmen — die ersten 24 Stunden

Je früher Sie reagieren, desto höher die Chance auf Rückholung. Optimaler Fall: Die Überweisung ist noch nicht gebucht — Banken erlauben innerhalb des Geschäftstags meist eine Stornierung im Online-Banking, ohne Recall-Prozess.

Ist die Überweisung bereits ausgeführt: Rufen Sie sofort Ihre Hausbank an (nicht die Empfängerbank — Sie sind nicht deren Kunde). Halten Sie IBAN, Betrag, Verwendungszweck und Buchungsdatum bereit. Die Bank löst dann einen "Recall" über das EPC-SEPA-Verfahren aus.

Wie das Recall-Verfahren rechtlich funktioniert

Der Recall ist im EPC-Rulebook für SEPA-Überweisungen geregelt. Die Bank des Zahlers schickt eine Recall-Nachricht (camt.056) an die Empfängerbank, die diese an den Empfänger weiterleitet. Der Empfänger hat 10 Geschäftstage Zeit, um zu antworten.

Stimmt der Empfänger zu — was häufig der Fall ist, wenn er das Geld nicht erwartet hat — wird der Betrag zurückgebucht (camt.029). Lehnt er ab oder reagiert nicht, endet der Recall ohne Geldfluss. Banken berechnen für den Recall typischerweise eine Gebühr von 5–25 € — bei nachweislich eigener Fehleingabe trägt sie der Zahler.

SzenarioRecall-ErfolgsquoteMittlere Bearbeitungszeit
Zahlung gleicher Tag, vor Cut-Off~95 %0–1 Geschäftstage
Zahlung 1–2 Tage alt~70 %5–10 Geschäftstage
Zahlung > 2 Wochen alt~30 %10–30 Geschäftstage
Empfänger reagiert nicht0 % (Recall-Verfahren erfolglos)Zivilrechtsweg nötig
Recall-Erfolgsquoten 2025 (Bundesbank-Statistik)

Was tun, wenn der Empfänger den Recall ablehnt

Lehnt der unbeabsichtigte Empfänger die Rückzahlung ab oder reagiert er nicht, haben Sie einen Bereicherungs­anspruch nach §812 BGB. Die Hausbank ist nach §675y Absatz 4 BGB verpflichtet, Ihnen Name und Anschrift des Empfängers herauszugeben — und nicht nur die IBAN, wie sie es bei Datenschutz­fragen häufig zunächst tut.

Wenn die Bank die Herausgabe verweigert, hilft eine schriftliche Aufforderung mit Verweis auf §675y BGB. Der nächste Schritt ist eine zivilrechtliche Klage über die Verbraucher­zentrale oder einen Rechtsanwalt. Die Beweislast liegt beim Empfänger, der die Zahlung als rechtmäßig nachweisen müsste.

Verification of Payee als beste Vorbeugung

Seit 2024 prüft das VoP-Verfahren bei jeder SEPA-Überweisung im EU-Raum, ob der Empfängername zur IBAN passt. Erscheint "No Match" oder "Close Match" — ABBRECHEN. Das ist der wirksamste Schutz gegen Fehlüberweisungen, der allen Bankkunden seit Oktober 2025 verpflichtend zur Verfügung steht.

Zusammenfassung

  • Sofort die Hausbank kontaktieren — nicht die Empfängerbank — und einen Recall einleiten.
  • Erfolgsquote sinkt mit der Zeit: ~95 % am Tag der Buchung, ~30 % nach 2 Wochen.
  • Bei verweigertem Recall: Empfängernamen über §675y BGB einfordern, dann Zivilrechtsweg.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert ein SEPA-Recall?
Bei kooperativem Empfänger 5–10 Geschäftstage. Reagiert der Empfänger nicht, endet der Recall nach maximal 10 Geschäftstagen erfolglos. Bei SEPA-Echtzeitüberweisungen läuft die Recall-Frist wesentlich kürzer (oft nur 24 Stunden).
Muss ich die Recall-Gebühr zahlen?
In der Regel ja, wenn die Fehlüberweisung Ihre Schuld ist. Die Gebühr liegt typischerweise zwischen 5 und 25 €. Bei Fehlern der Bank trägt diese die Kosten.
Bekomme ich den Empfängernamen heraus, wenn der Recall scheitert?
Ja — die Hausbank ist nach §675y BGB Absatz 4 verpflichtet, Name und Adresse des Empfängers herauszugeben, damit Sie zivilrechtlich vorgehen können. Die Daten werden nicht aus dem allgemeinen Datenschutzgrund verweigert.
Was, wenn der Empfänger das Geld bereits abgehoben hat?
Das ist ein typischer Phishing-/Betrugsfall — der Empfänger hat das Geld in bar abgehoben und ist nicht erreichbar. In solchen Fällen lohnt sich eine Strafanzeige bei der Polizei zusätzlich zum Recall, um den Geldfluss strafrechtlich zu sichern.

Quellen

Im Glossar

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