IBAN-Betrug erkennen: CEO-Fraud, Phishing, Fake-Rechnungen
Die drei häufigsten Betrugsmuster
**CEO-Fraud (Fake President):** Eine E-Mail im Namen des Geschäftsführers fordert eine "dringende vertrauliche Überweisung". Die IBAN gehört dem Betrüger. Erkennungsmerkmale: ungewöhnliche Eile, ausländische IBAN, kein Vier-Augen-Prinzip, abweichende E-Mail-Adresse. Schaden 2024 in DACH: über 230 Mio. € (BKA-Lagebericht).
**Fake-Rechnung mit ausgetauschter IBAN:** Echte Rechnung eines bekannten Lieferanten — aber die IBAN auf dem PDF wurde manipuliert. Der Betrüger fängt entweder die E-Mail ab oder hat Zugang zum Postfach des Lieferanten. Erkennungsmerkmal: IBAN weicht von früheren Rechnungen desselben Lieferanten ab.
**Phishing mit "neuer Bankverbindung":** Mail vom angeblichen Lieferanten/Geschäftspartner: "Bitte ab heute auf neues Konto überweisen, IBAN DE…". Häufig perfekt im Corporate Design des Lieferanten. Schutz: keine IBAN-Änderung ohne telefonische Rückbestätigung über die im Stammsatz hinterlegte Nummer (NICHT über die in der Mail genannte).
Verification of Payee als technische Verteidigung
Seit Oktober 2025 prüft die EU-weite VoP-Pflicht bei jeder SEPA-Überweisung im Euroraum, ob der eingegebene Empfängername zur IBAN passt. Bei "No Match" warnt die Bank — wer trotzdem freigibt, übernimmt die Haftung. Konkret: Eine CEO-Fraud-Mail "überweise an Empfänger Mustermann, IBAN DE…" wird sofort als Mismatch erkannt, weil das Konto auf den Betrüger lautet, nicht auf Mustermann.
VoP allein reicht aber nicht: Wenn der Betrüger ein Konto auf einen ähnlichen Namen führt ("Müstermann" GmbH statt "Mustermann GmbH"), erscheint nur "Close Match" — manche Mitarbeiter genehmigen das aus Zeitdruck. Daher ergänzend: Vier-Augen-Prinzip bei jeder neuen oder geänderten Bankverbindung.
Workflow-Verteidigung im Unternehmen
Sechs konkrete Maßnahmen, die in mittelständischen Unternehmen die meisten IBAN-Betrugsfälle verhindern:
- Vier-Augen-Prinzip im ERP für JEDE Änderung an Lieferanten-Stammdaten (insbesondere IBAN, BIC, Bankname).
- Bei Mail "neue Bankverbindung" — IMMER telefonisch rückbestätigen, über die Telefonnummer aus dem ERP-Stammsatz, NICHT über die Nummer in der Mail.
- VoP-Antwort als Pflichtbestandteil der Workflow-Freigabe konfigurieren — kein Mismatch durchwinken.
- Limit-Schwellenwerte definieren: Überweisungen > 10.000 € benötigen zusätzlich Geschäftsführer-Freigabe.
- Awareness-Training für Buchhaltung und Assistenz: typische Phrasen ("vertraulich", "dringend", "nur du") als Alarmzeichen erkennen.
- Cyber-Versicherung mit Social-Engineering-Klausel — ohne diese sind CEO-Fraud-Schäden meist nicht abgedeckt.
Was tun, wenn der Schaden eingetreten ist
Erste 24 Stunden zählen: Sofort die Hausbank kontaktieren und einen Recall einleiten (siehe Ratgeber "Falsche IBAN angegeben"). Parallel: Strafanzeige bei der Polizei, im Idealfall direkt bei der Cybercrime-Dienststelle des Landeskriminalamts. Versicherung melden, falls Cyber-Police vorhanden.
Dokumentation: Original-Mail, IBAN, Betrag, Zeitstempel, beteiligte Personen, Korrespondenz mit Bank — alles archivieren. Forensische E-Mail-Analyse durch IT prüfen lassen, ob ein Mailbox-Hijacking vorliegt.
Zusammenfassung
- CEO-Fraud, Fake-Rechnung, Phishing-Mail mit "neuer Bankverbindung" sind die drei häufigsten IBAN-Betrugsmuster.
- VoP fängt die meisten Fälle ab; bei "Close Match" und immer bei Bankverbindungsänderungen telefonisch rückbestätigen.
- Vier-Augen-Prinzip im ERP für jede IBAN-Änderung ist die wirksamste Workflow-Verteidigung.
Häufig gestellte Fragen
Schützt Verification of Payee allein vor CEO-Fraud?
Was ist die häufigste Phishing-Variante mit IBANs?
Übernimmt die Bank den Schaden bei CEO-Fraud?
Wie hoch ist das jährliche Schadensvolumen in Deutschland?
Quellen
Im Glossar
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